🗓️ TAG 2: Gefühlsausbrüche verstehen – Das Eisbergmodell nach Sigmund Freud
📖 Lektion 2.1: Was steckt hinter Wut, Trotz und Tränen?
Wenn ein Kind schreit, verweigert oder trotzig reagiert, sehen wir meist nur die Spitze des Eisbergs (das sichtbare Verhalten). Freud unterteilt die Psyche in drei Instanzen:
- Das ES (Triebe & Grundbedürfnisse):
Unbewusste Grundbedürfnisse wie Hunger, Müdigkeit, Wunsch nach Nähe, Freiheit oder Selbstbestimmung. - Das ÜBER-ICH (Regeln & Verbote):
Die gesellschaftlichen und elterlichen Regeln („Man spuckt nicht“, „Süßigkeiten erst nach dem Essen“). - Das ICH (Der Vermittler):
Versucht eine Balance zwischen den inneren Wünschen (ES) und den äußeren Regeln (ÜBER-ICH) zu schaffen. Bei jungen Kindern ist das ICH noch in der Entwicklung und gerät schnell ins Schwanken.
📖 Lektion 2.2: Wutausbrüche begleiten statt abwerten (Schwerpunkt Martin Cunow)
Ein Wutausbruch ist kein „Trotz gegen die Eltern“, sondern ein Zeichen dafür, dass das ES und das ÜBER-ICH kollidieren. Wenn Eltern das versteckte Bedürfnis unter der Wasseroberfläche erkennen, können sie das Kind ruhig begleiten, ohne die Regel aufzugeben.
✍️ PRAXIS-AUFGABEN FÜR TAG 2
🔍 Aufgabe 1: Die Eisberg-Analyse (Arbeitsblatt)
Lade die PDF-Vorlage „Der Eisberg im Wohnzimmer“ herunter. Trage einen zurückliegenden Konflikt ein (Über der Wasseroberfläche: Was hat das Kind getan? / Unter der Wasseroberfläche: Welche Bedürfnisse lagen darunter?).
🎭 Aufgabe 2: Rollenwechsel-Übung (Gedankenexperiment)
Versetze dich in die Lage deines Kindes während eines Wutausbruchs. Schreibe 3 Sätze aus der Perspektive deines Kindes auf: „Ich schreie gerade, weil ich eigentlich überfordert bin mit…“ und lade diesen Text hoch.
🧘 Aufgabe 3: Der „Stopp-Moment“ im Alltagstest
Achte heute auf die erste aufkeimende Konfliktsituation. Wende die 3-Sekunden-Regel an: Tief durchatmen, bevor du reagierst. Frage dich leise: „Welche Instanz schlägt gerade Alarm?“ Halte deine Beobachtung auf der Plattform fest.